Bad Kreuznach. Von 15 engagierten Persönlichkeiten wurde die Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück vor 30 Jahren gegründet. Heute zählt sie über 330 Mitglieder – Unternehmen, Verbände und Institutionen. Der Ideengeber war Werner Fuchs, der damalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rhein-Nahe.
Nach der Anmoderation durch Christoph Lanz, der in gewohnt charmanter Art durch den Abend führte, begrüßte der Vorsitzende der Regionalinitiative, Stefan Langenfeld, die zahlreichen Gäste und erinnerte an seinen 2021 verstorbenen Vorgänger im Amt Eberhard Andres, der der Initiative seit ihrer Gründung vorstand. Ein weiterer Dank ging anschließend an Werner Fuchs, den geistigen Vater der Regionalinititive, dessen visionäre Strahlkraft das heute Erreichte erst möglich gemacht hat. "Wie konnte man die Umwälzungen des damals neu entstehenden Wirtschaftsraumespositiv nutzen?", fragte sich der damalige Sparkassenvorstand Werner Fuchs. Seine Antwort darauf war die Vernetzung regionaler Akteure in einer Regionalinitiative, die heute über 330 Unternehmen zwischen Mainz und Birkenfeld vereint.
Im Anschluss berichteten mehrere Mitglieder der Initiative von ihren Beweggründen, dem Netzwerk beizutreten. Professor Dr. Antje Krause von der TH Bingen, die extra für den Festakt ihren Urlaub unterbrach, erklärte, dass es sich auf jeden Fall für eine Hochschule lohne, Mitglied zu sein, weil eine Hochschule ja bereits qua Auftrag dazu prädestiniert sein, Konw-how in der Region zu halten. "Ich bin ins Unternehmertum hineingeboren worden und würde mir als kleinen Verbesserungsvorschlag nur wünschen, dass sich noch mehr Frauen in der Wirtschaft und auch der Initiative engagieren", unterstrich die ehemalige Unternehmerin des Jahres Angelika Schäfer von Mercedes Schad.
Stefan Jungk, Geschäftsführender Gesellschafter von JUWÖ erzählte mit einem Augenzwinkern, dass die Whiskey Sammlung des Vorsitzenden Stefan Langenfeld, die Mitgliedern der Initiative vorbehalten bliebe, Anreiz gewesen sei, der Initiative beizutreten. Hans-Jörg Platz, Inhaber von PConsult aus Birkenfeld unterstrich auch die Bedeutung familiengeführter Unternehmen, die eine besondere Stärke der Region sind.
Zum 30-jährigen Bestehen der Regionalinitiative ging es anschließend in der Festrede von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nicht nur um die Bedeutung regionaler Netzwerke, sondern vor allem um den Zustand des Landes und unserer Demokratie. Die Regionalinitiative bringe seit drei Jahrzehnten „Menschen, Unternehmen, Kommunen, Institutionen zusammen“, die ihre Region nicht nur verwalten, sondern „mitgestalten“, betonte sie. „Heimat entsteht dabei nicht auf dem Reißbrett. Heimat wächst dort, wo Menschen sich ihrer Region verbunden fühlen, wo sie sich kennen, wo sie sich füreinander interessieren“. Genau darin liege die besondere Bedeutung einer Regionalinitiative.
Kritisch betrachtete sie den zunehmenden Hang zur Polarisierung. Digitale Plattformen verstärkten häufig bestehende Meinungen und führten dazu, dass Menschen immer weniger unterschiedliche Argumente hörten. „Wir hören immer weniger zu, bestätigen uns lieber selbst und einfache Antworten müssen deshalb immer öfter für komplexe Fragen ausreichen“, führte die Bundestagspräsidentin weiter aus. Der Begriff „Zusammenhalt“ könne dabei problematisch werden, wenn er nicht mehr als Brücke verstanden werde, sondern zur Abgrenzung diene. Wer eine andere Meinung vertrete, dürfe deshalb nicht automatisch als Gegner der Demokratie gelten. „Unser Grundgesetz verlangt eben nicht den Gleichklang. Es verlangt sogar Widerspruch.“
Demokratie brauche deshalb den offenen Streit – allerdings einen Streit über Argumente und nicht über Personen. „Wenn wir streiten, bleiben wir in Übung. Dann rostet auch unser Hirn nicht ein“, so die Präsidentin weiter. Aufgabe der Demokratie sei es nicht, Unterschiede zu beseitigen, „sondern sie erträglich zu machen“.
Am Ende schlug die Rede den Bogen zurück zur Regionalinitiative: In einer Gesellschaft, in der Menschen sich immer weniger begegneten, seien Orte des Austauschs besonders wichtig. Die Regionalinitiative sei dafür ein Beispiel.
Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgte die Musikerfamilie Wöllstein-Nagatsuka: Gerhard Wöllstein und seine Ehefrau Yuki Nagatsuka am Klavier sowie die Töchter Maria Wöllstein an der Violine und Clara Wöllstein am Violoncello. Mit ihrem virtuosen Zusammenspiel verliehen sie der Veranstaltung eine besondere musikalische Note.
Besondere Akzente setzte auch die begleitende Ausstellung „30 Jahre Regionalinitiative“, die bei den Besuchern so manche Erinnerung an zurückliegende Veranstaltungen, beispielsweise die Sommerfeste der Wirtschaft, weckte.
