Bad Kreuznach

Wie echte Teilhabe in der Praxis gelingt

Unter dem zukunftsweisenden Motto „Mehr Wertschöpfung durch Inklusion“ besuchte die Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück das ChancenHaus der Lebenshilfe Bad Kreuznach.

Geschäftsführer Dr. Andreas Neuman stellte die Arbeit des Chancenzentrum vor

Gastgeber und Geschäftsführer Dr. Andreas Neuman machte deutlich: Unternehmer, die in ihren Betrieben Inklusion aktiv verwirklichen und Menschen mit Behinderung an maßgeschneiderten Arbeitsplätzen einsetzen, profitieren nicht nur in menschlicher und sozialer Hinsicht, sondern sichern sich auch wirtschaftliche Vorteile.

Das machte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Chancen-Zentrum gGmbH, Dr. Andreas Neumann zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Zu Gast waren die Mitglieder der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück im ChancenHaus, der umgebauten früheren Sparkassen-Filiale in der Mannheimer Straße. Hier betreibt die Organisation das integrative Café „KaffeeKasse“ sowie einen „ChancenLaden“, in dem hochwertige Produkte aus den eigenen Werkstätten vertrieben werden. Zudem bietet das Haus gut ausgestattete Seminarräume für Gruppen von 12 bis 80 Personen an, die flexibel für externe Veranstaltungen und Tagungen gebucht werden können.
Der strukturelle Wandel der Lebenshilfe spiegelt sich auch in der Benennung der Standorte wider. Die traditionellen Werkstätten in der Burgenlandstraße in Bad Kreuznach sowie in Bretzenheim wurden in „ChancenWerke“ umbenannt. Rund 350 Menschen sind dort in unterschiedlichsten Handwerks- und Dienstleistungsbereichen wie der Schreinerei, der Metallabteilung, der Großküche oder der Montage von Werkzeugkoffern beschäftigt. Doch das Ziel reicht weiter: Für Beschäftigte, die in diesem Rahmen unterfordert sind oder den direkten Kontakt zum umliegenden Sozialraum suchen, entwickelt das Chancen-Zentrum kontinuierlich anspruchsvollere, externe Arbeitsangebote auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Davon können beide Seiten gleichermaßen profitieren, untermauerte Neumann mit drei konkreten Beispielen aus der Region. Ein Leuchtturmprojekt ist der Betrieb der Huttental-Fähre inklusive des dortigen Bootsverleihs, den das Lebenshilfe Chancen-Zentrum übernommen hat. Die Beschäftigten genießen den täglichen Kontakt mit den zahlreichen Fahrgästen und Touristen. 
Auch in der privaten Wirtschaft funktioniert das Modell, beispielsweise in Zusammenarbeit mit Globus in Gensingen. Rein arbeitsrechtlich handelt es sich hierbei um einen sogenannten ausgelagerten Werkstattplatz – ein perfektes Sprungbrett für den permanenten Übergang.
„Berufliche Bildung schafft echte Teilhabe“, hob Markus Karau, Leiter des Projektes ChancenBilden.de, in seinem Vortrag hervor. Innerhalb der Strukturen der Lebenshilfe gebe es viele Menschen, die den ausdrücklichen Wunsch hegen, außerhalb des geschützten Rahmens einer Werkstatt zu leben und zu arbeiten. Die berufliche Bildung ist systematisch auf zwei Jahre angelegt. Die dort erworbenen Fachkenntnisse werden durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifiziert, was den Absolventen eine offizielle Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt garantiert. 
Wie ein solcher Erfolg in der öffentlichen Verwaltung aussieht, zeigt das Beispiel von Isabel Reidenbach. Seit Juli 2025 verstärkt sie den Empfang und die Telefonzentrale der Stadtverwaltung Bad Kreuznach. „Ich bin so dankbar, dass ich hier arbeiten darf“, lobte sie das ChancenZentrum und ihren Arbeitgeber, die Stadtverwaltung, deren oberster Repräsentant Oberbürgermeister Emanuel Letz mit dabei war. 
Ein besonderer Höhepunkt war die Auszeichnung der beiden vorgestellten Arbeitgeber.
Stefan Brandt, Leiter des Teams ChancenSchaffen.de, berichtete aus seiner täglichen Praxis als Jobcoach. Er weiß, dass in fast jedem Betrieb Arbeitsabläufe existieren, die mit einer geringfügigen Anpassung des Arbeitsplatzes und einer professionell begleiteten Einarbeitung zuverlässig von Menschen mit einer Beeinträchtigung übernommen werden können. Durch die gezielte Übertragung von spezialisierten Teilaufgaben werden hochqualifizierte Fachkräfte spürbar entlastet und neue, hochmotivierte personelle Ressourcen mobilisiert.
Das Team von ChancenSchaffen.de versteht sich dabei als ganzheitlicher Partner für die regionale Wirtschaft. Die Experten begleiten die Betriebe direkt vor Ort, analysieren bestehende Arbeitsplätze und helfen Arbeitgebern dabei, ohne bürokratische Hürden zu „Möglichmachern“ und inklusiven Arbeitgebern zu werden. 

Infos: www.chancenzentrum.de

 

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