„Die Politik wirft uns vor, dass vor allem die Stimmung in der Wirtschaft besser werden müsse, dann werde alles besser. Wir sind also schuld“, fasste Langenfeld sarkastisch zusammen. Dabei werde allerdings verkannt, dass es angesichts der zahlreichen Krisen und strukturellen Probleme mit Stimmungsmache und ein paar Reformen nicht getan sei. „Wir müssen uns der eigenen Stärken besinnen und die Rahmenbedingungen ändern“, mahnte er.
Unter dem Motto „Milder Westen – Wilde Welt“ hatte die Regionalinitiative ihre Mitglieder sowie interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen, um über den aktuellen Zustand der Wirtschaft in Deutschland und insbesondere in der Region zu diskutieren.
Auch Oberbürgermeister Emanuel Letz mahnte – und zwar vor zu viel Bürokratie und komplizierten Genehmigungsverfahren. Diese stünden unter anderem der schnelleren Schaffung von Gewerbeflächen im Weg – und damit der Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Verfahren seien oft zäh und würden von Jahr zu Jahr komplexer. Die mahnenden Worte richtete er auch an seine Parteifreundin, die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP), die der Regionalinitiative und dem Wirtschaftstag seit Jahren die Treue hält. Die Weltlage sei toxisch, betonte sie.
Positive Beispiele aus der Region präsentierte Moderator Christoph Lanz im Talk mit Prof. Dr. Simone Loose, Leiterin des Instituts für Wein- und Getränkewirtschaft an der Hochschule Geisenheim, Stefan Trieb, Geschäftsführer von mac. brand spaces in Langenlonsheim, und Winfried Schmuck, Geschäftsführer von BITO Lagertechnik in Meisenheim. Simone Loose warf einen Blick auf die aktuell schwierige Situation der Weinbranche, die unter anderem aufgrund der US-amerikanischen Zollpolitik nicht leichter wird, aber auch auf wachsende Märkte wie zum Beispiel China. Hier seien vor allem fruchtige Weine gefragt – ein Geschmacksprofil, das die deutschen Winzer perfekt bedienen können.
Stefan Trieb erläuterte die Entwicklungen in der Messebranche und zeigte, wie das Messebauunternehmen aus Langenlonsheim der sich ändernden Nachfrage in der Live-Kommunikation gerecht wird.
Als ein gewichtiges Problem beschrieben alle das Thema Fachkräftegewinnung. Hier betonte Winfried Schmuck unter anderem die Bedeutung des Ausbildungsengagements für die Sicherung des Nachwuchses für die BITO Lagertechnik. Und er brach eine Lanze für die Azubis von heute, denen allzu oft mangelnder Arbeitswille vorgeworfen werde. „Was wir schon beobachten, ist die sinkende Bereitschaft zur Schichtarbeit – bei allen Mitarbeitern“, betonte Schmuck. Für die BITO aber sei diese essentiell, um die Produktionskapazitäten auszulasten.
Auch die mac stellt sinkende Bewerbungszahlen fest, kann aber mit einem breiten Angebot an unterschiedlichen Ausbildungsstellen punkten – und mit internationalen Einsätzen auf den Messeplätzen dieser Welt.
Höhepunkt des Nachmittags war Christian Sievers, Moderator des heute journals und langjähriger Nahost-Korrespondent. Er gab einen Einblick in die Welt hinter den Nachrichten und in die Fernsehstudios. Bereitwillig beantwortete er auch die zahlreichen Fragen aus dem Publikum – unter anderem zur journalistischen Unabhängigkeit. „Bei den Öffentlich-Rechtlichen wissen Sie, wer die Nachrichten bezahlt – Sie alle.“ Im Gegensatz beispielsweise zu den amerikanischen Fernsehsendern, wo die Geldströme in der Regel weitaus weniger transparent seien.
Besonders stolz sei er auf die Mail eines Zuschauers, der ihm einerseits eine zu große Nähe zur Linken unterstellt habe und wenige Tage später zur CSU.
Vor und nach dem offiziellen Teil stand wie immer das Netzwerken im Vordergrund.
