Bad Kreuznach

Zukunft ohne Auto?

Benötigt jedes Haus seinen eigenen Stellplatz, hat in Zukunft jeder Bewohner überhaupt noch ein eigenes Auto? Die Frage stellte sich bei der Veranstaltung „Wohnen und Mobilität“ der Gewobau und der Stadt Bad Kreuznach.

(V. l.) Professor Volker Blees, Hochschule Rhein-Main, Bärbel Germann, städtisches Amt für Stadtplanung und Umwelt, Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer und Thomas Sapper, Projektleiter des Solar Quartiers in Bad Kreuznach, diskutierten im Puk über die Zusammenhänge von „Wohnen und Mobilität.“ Foto: Gewobau

„Wir brauchen mehr nachhaltige Mobilität, weniger Autos, mehr Fahrräder und mehr Sharing-Angebote“, so der Ansatz von Gewobau-Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger. Denn pro Wohneinheit werden laut geltender rheinland-pfälzischer Stellplatzverordnung noch immer ein bis zwei Stellplätze nötig, was erhebliche Kosten verursachen kann, selbst wenn die Bewohner, wie das Beispiel des Gewobau-Neubauprojektes HUB verdeutlicht, keine Parkplätze benötigten.

Seeger, der wegen einer Erkrankung persönlich fehlte, will in den „Weingärten“ mithilfe der Stadt Bad Kreuznach eine innovative Verknüpfung aller Verkehrsangebote schaffen. Beispielsweise, indem Bushaltestellen von mehr als nur einem Anbieter genutzt werden.

Bedürfnisse ändern sich

Unabhängig von teuren Baukosten haben sich aber auch die Bedürfnisse von Mietern und Hausbesitzern verändert - das Auto diene heute nicht mehr zwangsläufig als Status-Symbol. Pendler nutzten Bus, Bahn und das Fahrrad, um Lebensqualität zu gewinnen. Es gehe weniger darum, wie, sondern ob das Ziel möglichst kostengünstig, energieeffizient und komfortabel erreicht werde, sagte Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer .„Unsere Kinder und deren Kinder werden vielleicht gar kein Auto mehr besitzen und lieber ein E-Fahrzeug teilen.“ Mit dem 2016 beschlossenen IVEK (Integriertes Verkehrsentwicklungskonzept) habe es die Stadt in der Hand, Mobilität in Bad Kreuznach nachhaltig zu lenken und zu etablieren. Teil des IVEK ist die Mobilitätsstation, die 2019 am Bahnhof von Bad Kreuznach in Betrieb genommen werden soll. 

Bärbel Germann, zuständige Mitarbeiterin des Amtes für Stadtplanung und Umwelt, stellte am Beispiel der Mobilitätsstation vor, wie Nahmobilität in Bad Kreuznach funktionieren kann. „Es wird darum gehen,  zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zu wählen oder auf unseren Wegen bequem und einfach von einem auf ein anderes Verkehrsmittel wechseln zu können. Obendrein können wir mit dieser Wahlmöglichkeit ganz automatisch etwas für den Klimaschutz tun“, so Germann.   

Vernetzte Angebote, darin sieht auch Professor Dr. Volker Blees eine Lösung. Der Dozent der Hochschule RheinMain benannte in seinem Impuls-Vortrag zur „Smart-Mobility“ die häufigsten Begleiterscheinungen des Individualverkehrs in Städten, darunter Feinstaub, Parkplatzsuchverkehr und zugeparkte Gehwege oder „Elterntaxis“ – wie gerade an der Hofgartenschule aktuell.  

Für Thomas Sapper, Projektleiter der Bad Kreuznacher Haus 4.0-Holding GmbH, ist die Frage einer nachhaltigen Mobilität entscheident. „Ohne Verkehrswende bekommen wir keine Energiewende“, sagte Sapper, der gemeinsam mit der Stuttgarter Werkgemeinschaft Böhme-Hilse und der Gewobau das „Solar Quartier“ im Neubaugebiet „In den Weingärten“ voranbringt. Ein elementarer Bestandteil des Energie-autarken Solar-Quartiers, das 28 Häuser im Aktiv-Plus-Standard vorsieht, ist eine E-Tankstelle für Elektromobilität, die in Kooperation mit einem Car-Sharing-Angebot der Stadtwerke betrieben wird. Wichtiger als Parkplätze seien eine vernetzte Infrastruktur und Angebote, die individuell auf die Bewohner eines Stadtgebiets zugeschnitten seien beispielsweise „Bus on demand“.

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