Bad Kreuznach

Die Finanzkrise traf härter

Die Zeiten sind unsicher derzeit. Dennoch haben die Wissenschaftler des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch die „Wirtschaftsweisen“ genannt, ihr Jahresgutachten erstellt. Ausblick: Es geht wieder aufwärts.

Prof. Dr. Lars Feld, Vorsitzender das Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, berichtete auf Einladung der Sparkasse Rhein-Nahe über die Aussichten des kommenden Jahres.

Das BIP von 2019 wird wohl 2022 wieder erreicht werden. „Finanzpolitisch stehen wir ja ausgezeichnet da“, so Professor Dr. Lars Feld, der Vorsitzende des Sachverständigenrates. Man habe es in den vergangenen zehn Jahren immerhin geschafft, die Schuldenquote um 20 Prozentpunkte zu senken, dieses Jahr werde sie zwar wieder etwas ansteigen, im kommenden Jahr allerdings wieder sinken. „Die Aufgaben sind nicht so gewaltig wie in der Finanzkrise“, ist er überzeugt.

Dennoch ist ein solches Gutachten kein Blick in die Glaskugel. „Schon in unserem Zwischengutachten im Frühjahr haben wir einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund fünf Prozent vorausgesagt. In dem Bereich werden wir wohl tatsächlich landen“, so Feld. Eigentlich sollte er dieses Jahr der Hauptredner der wirtschaftspolitischen Gespräche der Sparkasse Rhein-Nahe sein, die traditionell im November ein großes Publikum anziehen.
Dieses Jahr ist natürlich alles anders … keine Massenveranstaltung, stattdessen ein Vortrag per Video-Stream.
Für das erste Quartal 2021 sehen die Wirtschaftswissenschaftler wieder eine schwach positive Tendenz.  „Die Außenwirtschaft läuft derzeit erstaunlich gut, insbesondere mit den USA und mit China.
„Jede Krise transformiert, dann sieht man, wo es wirklich klemmt“, so Feld. Im Gesundheitswesen werden diese Defizite derzeit besonders offensichtlich.
Im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn scheint Deutschland derzeit recht gut durch die Krise zu kommen. Immerhin liege der Rückgang der Wirtschaftskraft europaweit bei über sieben Prozent.
Weiteres wichtiges wirtschaftspolitisches Thema im kommenden Jahr: Wie entwickelt sich die Situation in den USA unter einem neuen Präsident Biden? In Bezug auf die Entwicklung des Freihandel ist Feld wenig optimistisch. „Wir werden hier eine gewisse Kontinuität zu Trump sehen“, ist er überzeugt - nicht im Stil, wohl jedoch in den Inhalten. „Die Demokraten waren da weitgehend auf einer Linie mit ihm.
Auch die Handelskonflikte mit China werden sich fortsetzen.
Die Herausforderungen der weiteren Zukunft würden derzeit jedoch von der aktuellen Krise etwas überlagert: In erster Linie wird dies die demografische Entwicklung sein – mit alle ihren Auswirkungen auf das Rentensystem. „Sie wird uns treffen – das Problem ist noch nicht gelöst.“

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