Eine feste Größe: Der Wirtschaftstag

Die Highlight-Veranstaltung des Jahres ist der Wirtschaftstag der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück. Hier treffen sich Wirtschaft und Politik zu einem ausgewählten Thema.

Interessante Impulse von herausragenden Gastrednern, Diskussionsrunden und die Möglichkeit, sich den anderen Mitgliedern der Regionalinitiative zu präsentieren – die Wirtschaftstage im Herbst sind die jährlichen Höhepunkte im Veranstaltungskalender der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück. Sie stellen jeweils ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Hochkarätige Gäste waren unter anderem der spätere Bundespräsident Horst Köhler, EU-Kommissar Günther Oettinger, Börsenexperte Frank Lehmann, Unternehmer-Legende Wolfgang Grupp, Internet-Guru Sascha Lobo und 

Lebenswerter Milder Westen

„Wir werden unterschätzt und haben hier ein deutlich größeres Potenzial als die Leute denken“, unterstrich Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf als „Hausherr“ bereits bei der Begrüßung der Gäste des 25. Wirtschaftstages der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück.

Was dieses Potenzial im Detail ausmachen kann, machte Dr. Matthias Schneider, Landrat des Landkreises Birkenfeld, in seiner kurzen Begrüßung deutlich, als er die Tochter eines beruflich aus Berlin in die Region gekommenen Managers mit dem Zitat „Papa, hier sieht man ja sogar die Sterne!“, zu Wort kommen ließ. Gewohnt eloquent und charmant führte Moderator Christoph Lanz bereits zum 22. Mail durch das folgende Programm und kündigte als einen der Höhepunkte des Tages die Festrede von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner an, die als Ministerin über 1.000 Mitarbeiter verfügt und ein Budget von mehr als sechs Milliarden Euro verantwortet. „Als Lebensministerium mit digitalem Selbstverständnis“ beschrieb Lanz ihr Haus. In ihrer Festrede ging die Bundeslandwirtschaftsministerin auf die Herausforderungen und Chancen des ländlichen Raumes ein, der fast 90 Prozent der Fläche Deutschlands ausmache. „Neben einem flächendeckenden 5G-Standard, der für die immer wichtiger werdende Digitalisierung und Telearbeit essenziell ist, brauchen wir die Antworten der Menschen, die genau dort im ländlichen Raum leben“, warb sie in ihren Worten für einen in ihren Augen wichtigen Perspektivwechsel. „Will der Milde Westen auch künftig erfolgreich sein, muss er sich gemeinsam aufstellen und mit gemeinsam abgesprochenen Anträgen Initiative zeigen. 

Prof. Dr. Guido Dartmann vom Umweltcampus Birkenfeld präsentierte im Anschluss das mit Bundesmitteln geförderte Projekt „IoT-Pilot“. Die rasante Entwicklung des „Oak Garden“ in Hoppstädten-Weiersbach, wo sich chinesische Geschäftsleute mit ihren Familien angesiedelt haben, thematisierte der zweite Vortrag von Andreas Scholz. Über 900 Chinesen machen das ehemalige Konversationsprojekt zum größtem chinesischen Zentrum außerhalb Chinas.

In zwei Talkrunden diskutierte Christoph Lanz mit Unternehmern und Führungskräften die Themen „Leben in der Region“ sowie „Arbeiten in der Region“, bevor mit Dr.-Ing. Christoph Kaup der diesjährige Unternehmer des Jahres 2018 ausgezeichnet wurde. 

Mittelstand 4.0 – Digitalisierung im Milden Westen

Wie verändert Digitalisisierung die Arbeitswelt? Diese Frage versuchte unter anderem Sascha Lobo auf dem Wirtschafstag der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück im Ingelheimer kING zu beantworten.

Wie beeinflussen die Prozesse der Digitalisierung in Zukunft die Geschäftsmodelle regionaler mittelständischer Unternehmen, wie rüstet sich die Region für deren infrastrukturelle Bedürfnisse? „Unsere Versorgung ist gut. Aber in einigen Teilen müssen wir auch noch viel arbeiten“, sagte die Mainz-Binger Landrätin Dorothea Schäfer. Mehr Arbeit steht in den ländlicher geprägten Landkreisen Bad Kreuznach von Bettina Dickes und Birkenfeld von Matthias Schneider bevor. Doch auch hier ist die Versorgung mit schnellem Internet in der Breite gegeben. 

In Sachen digitaler Verwaltung waren sich die Landräte einig: Da muss noch einiges geschehen, um es Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, die Verwaltung übers Netz zu erreichen.

Was die Digitalisierung für Unternehmen und Wirtschaft bedeuten, diskutierten Ralf Gladis Geschäftsführer Computop, Wirtschaftsinformatik GmbH, Kyan Noack, Mitgründer der DeinDesign GmbH, Dr. Ingrid Vollmer, Geschäftsführerin IHK für Rheinhessen,  Dominique Döttling, Director HRBP Europe Opel Group, und Dr. Rainer Lecht, dem IT-Chef von Boehringer Ingelheim. Moderiert wurden die Runden in bewährter Weise durch den Berliner Journalisten Christoph Lanz.

Wie die digitale Zukunft des Zahlungsverkehrs aussieht, erklärte Ralf Gladis, Geschäftsführer von „Computop Wirtschaftsinformatik“, in seinem Vortrag. Seine Erkenntnis: Digitale Bezahldienste und Sofortüberweisungen per Smartphone verdrängen immer mehr das klassische Bankgeschäft.

Einen Rundumschlag in Sachen Digitalisierung lieferte schließlich Gastredner Sascha Lobo. Der Autor, Strategieberater und Blogger, erläuterte die Veränderungen, die in den vergangenen Jahren sowohl in der Elektronik als auch in den Köpfen der Menschen passiert sei. Und die Entwicklung werde sich weiter beschleunigen. Bei all der Unsicherheit und der Geschwindigkeit der Veränderungen betonte er jedoch: „Nicht die Technologie verändert die Welt, sondern die Art, wie wir sie nutzen.“

Zeitenwende erfordert neuen Blick auf Europa

Wirtschaftstag der Regionalinitiative Rhein-Nahe begrüßte Ex-Botschafter Kornblum und EP-Abgeordnete Collin-Langen.

„In der Politik werden Provokationen salonfähig, wir aber wollen nicht provozieren, sondern sachliche Informationen liefern.“ Die Marschrichtung machte Stefan Langenfeld, Vorsitzender der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück, gleich zu Beginn des Wirtschaftstages klar. Dass sachliche Informationen allerdings keinesfalls langweilig sein müssen, bewies der Stargast des Tages: John Kornblum, Ex-Botschafter der USA in Deutschland – und kein Freund von Donald Trump. Daraus machte er kein Geheimnis. „Er versucht, die herkömmliche Politik zu teilen und die 30 Prozent der Amerikaner, die ihn gewählt haben, als Hebel zu verwenden“, erklärte er . Das werde zu einer politischen Atmosphäre führen, die auch von Amerikanern schwer zu verstehen sei. Immerhin habe er nich nur Clinton besiegt, sondern zuvor schon 17 republikanische Mitbewerber. „Wir befinden uns in einer Zeitenwende – nicht nur in politischer Hinsicht“, sagte Kornblum. Die zunehmende „Konnektivität“, die Vernetzung sowohl in technischer Hinsicht, aber auch in Bezug auf die internationalen Beziehungen und das Zusammenspiel der Märkte, erfordere ein Umdenken in vielerlei Hinsicht. „Wir befinden uns in einer zweiten Industriellen Revolution.“

Für eine Stärkung Europas setzte sich Birgit Collin-Langen ein, Abgeordnete des Europäischen Parlaments. „Es gibt dazu keine Alternative“, betonte sie. Immerhin habe Europa 70 Jahre Friede und Freiheit gebrach. Dies sagte sie im Kurhaus, einem Ort, der zum Symbol deutsch-französischer Freundschaft geworden ist, trafen sich doch hier DeGaulle und Adenauer erstmals auf deutschem Boden zur Festigung der deutsch-französischen Freundschaft. Allerdings sah auch sie die Notwendigkeit von Veränderungen und zur Weiterentwicklung der europäischen Institutionen.